Tansania


"I think the environment should be put in the category of our national security. Defense of our resources is just as important as defense abroad.

Otherwise what is there to defend?"

(Ich denke, die Umwelt sollte in die Kategorie unserer nationalen Sicherheit gebracht werden. Die Verteidigung unserer Ressourcen ist genauso wichtig, wie die Verteidigung im Ausland.

Was gibt es ansonsten zu verteidigen?)

  

Robert Redford


Wenn man an seine Grenzen kommt

Das Flusspferd

Ich hatte das Glück zwei Ranger bei ihrer Arbeit (Kontrollgang) begleiten zu dürfen. Es war in einem Oktober, als wir zu Fuß im Katavi Nationalpark unterwegs waren. 

 

Der Park liegt ganz im Westen von Tansania und ist geprägt von großen Grasflächen, Sumpflandschaften und Waldgebieten. Seine Seen und Flüsse beherbergen neben einer Vielzahl von Wasservogelarten, den größten Bestand an Flußpferden in Tansania. Weitere, seltenere Tierarten, wie z.B. die Kuh- und Elenantilopen und auch Wildhunde sind mit etwas Glück hier anzutreffen. 

 

Einer der Ranger war zuständig für das Spurenlesen, der andere für unsere Sicherheit und die der Tiere. Er war für den Notfall mit einem Gewehr bewaffnet. In ganz Afrika herrscht "Krieg" gegen die Wilderei, die in schwindelerregender Geschwindigkeit und an Ausmaß zugenommen hat. Mafiöse Machenschaften zwingen die Staaten und Naturschutzverbände zu immer neuen Konzeptionen gegen den Raubbau aus teilweise niederen Beweggründen. So beispielsweise zur Gewinnung von angeblich wirksamen Potenzmitteln aus dem Horn von Nashörnern, von Elefantenstoßzähnen etc. 

 

Am frühen Morgen brachen wir auf. Ich war hellwach, als wir die Graslandschaft durchquerten. Das goldgelbe Gras war herunter gefressen, aber teilweise auch kniehoch, sodass von uns Dreien höchste Konzentration gefordert war. Lange Zeit tat sich nichts und ich hatte zwischendurch Mühe meine Konzentration durchgängig aufrecht zu erhalten. Während dieser Zeit erklärte mir der Spurenleser mit voller Hingabe jegliche Hinterlassenschaft sämtlicher Wildarten. Ja es war sehr doch interessant zu lesen, was in den letzten Tagen und Nächten hier geschehen war und wer und was gerade noch in unserer Nähe ist und uns vielleicht beobachtet oder in der Nase hat. Wir bestimmten  Tierarten, Geschlechter, Alter, Nahrung, die Anzahl der Tiere sowie Bewegungsrichtungen und 

-geschwindigkeiten. Zu "lesen" war ebenfalls, welches Raubwild welchen Fluchttieren folgte und ob sich ein krankes Tier unter ihnen befand. Da ich vor einigen Jahren selbst die Jägerprüfung absolvierte, konnte ich sehr schnell den Ausführungen ohne lange Erklärungen folgen.

Aber auch ich konnte den Rangern beim Analysieren der Hinterlassenschaft einer Zibetkatze Wissenswertes vermitteln, dem sie doch nicht so ganz Glauben schenken konnten, so mein Gefühl.

Dass das Endprodukt aus den Exkrementen dieser Raubkatze, unter bestimmten Voraussetzungen, Edelkaffee sein soll, war einfach zu viel. 

 

Meine Ausführungen wurden jäh unterbrochen, als sich uns ein starker Büffelbulle näherte. Bullen, die allein umherziehen, gelten als angriffslustig. Wir prüften die Windrichtung und versuchten einen Bogen um das stattliche Tier zu machen und etwas Abstand zu gewinnen, da er kam uns gefährlich nah kam. Die Ranger brauchten mich nicht zur Ruhe zu ermahnen. Der Automatismus eines jeden Individuums zwingt es dazu in bestimmten Situationen zu laufen oder stehen zu bleiben. Zu welchen Persönlichkeiten man selbst gehört, erfährt man in Ausnahmesituationen, in Situationen in denen man sich in Gefahr sieht oder glaubt, also unter großer psychischer Belastung, wenn der Adrenalinspiegel drastisch ansteigt. In so einer Situation sah ich mich jetzt, die jedoch schon nach wenigen Augenblicken wieder aufgelöst wurde. Der Bulle änderte seine Richtung während er weiter seiner Hauptbeschäftigung, dem Äsen, nachging.  Anders, als diese Situation verlief die Begegnung etwa eine halbe Stunde später.

 

Immer der Gefahr bewusst, genoss ich diese herrliche Landschaft, die sich mittlerweile verändert hatte. Es ging bereits auf die Mittagszeit zu und wir kamen durch ein Sumpfgebiet in die Flussauen. Wir hatten viele schöne Begegnungen mit verschiedenen Antilopenarten, Elefanten und Reptilien, als ich einen der Ranger bat, ein Foto zu schießen, auf dem ausnahmsweise auch ich einmal verewigt werde. Als Alleinreisende kann man bedauerlicherweise auf wenig Fotos mit eigenem Antlitz zurückgreifen, Das Foto sollte so gestaltet sein, dass sich das Flusspferd, was sich liegender Weise im flachen Wasser des mäandernden Flusses befand im Hintergrund und ich mich seitlich davon im Vordergrund befinde.

Ich zeigte dem Ranger noch den Auslöser.

Es gelang ihm genau ein Foto ... dann warf er mir die Kamera entgegen, die ich glücklicherweise fangen konnte und instruierte mich mit einer unmissverständlichen Geste unverzüglich die Flucht nach vorne zu ergreifen. Beide Ranger stießen mich nach vorn, weg vom Fluss, und trieben mich an. Der seitliche Blick aus den Augenwinkeln lies keinen Zweifel, dass wir uns in einer brenzligen Situation befanden, eben in so einer, in der mein Automatismus eigentlich sagt "STEH!". Deshalb war es gut und wahrscheinlich lebensrettend, dass die Ranger ihrem Befehl, mit einem kräftigen Stoß, Nachdruck verliehen.

Das Flußpferd hatte sich aus dem Wasser erhoben und kam auf uns zu, die Böschung hoch und wurde schneller und schneller.

Der Ranger mit der Waffe repetierte und setzte hinter mir zum Warnschuss an. 

Kurz darauf erreichten wir die rettenden Wildsträucher.

Vermutlich handelte es sich um junge Akazien, deren lange, spitze Dornen sich durch die Kleidung tief in unser Fleisch bohrten. Wir suchten uns einen Weg hindurch, während sich in meinem Kopf bereits die nächsten Bilder festsetzten. In meiner Vorstellung stießen wir in der Eile auf ein Rudel Löwen, das im Unterholz seine Beute aufbrach. Mein Herz raste wie wild und ich hatte, ganz ehrlich, genug von dem letzten Abenteuer. Ich wünschte mir mit einem Tee in meinem Zelt zu sitzen und mich vom heutigen Tag zu erholen, meine Erlebnisse sacken zu lassen und neue Energie zu schöpfen. Aber es kam anders ...

 

... als wir wieder eine Weile gegangen waren, gab ein Ranger mit einer Handbewegung die Anweisung in die Hocke zu gehen. Ich zögerte keine Sekunde ... meine Kehle wurde trocken.

Abermals prüften wir die Windrichtung. Keinen Mucks gab ich von mir. Ich spürte, wie mir das Adrenalin wieder durch den Körper schoss, obwohl ich den Grund seiner Anweisung noch gar nicht kannte.

Ich versuchte jedes Geräusch zu verhindern. Der Ranger zeigte in eine Richtung, in der ich außer dem goldgelben, kniehohen Gras nichts entdecken konnte. Wenige Sekunden später kam ich meinem Albtraum gefährlich nahe. Erst erblickte ich einen, dann zwei und weitere Sekunden später drei Löwen ... Insgesamt sollen es laut Aussage der Ranger sechs gewesen sein. Ich wollte es in diesem Moment gar nicht mehr so genau wissen. Ich wollte nur weg. Ich hatte für heute wirklich genug. Trotz alledem schoss ich noch einige Fotos von diesem Szenario. Das steckt wohl doch in jedem Hobbyfotografen :-)

 

Vielleicht hätte ich meine Gedanken mehr unter Kontrolle bringen sollen in dieser Situation, dann hätten wir evtl. noch eine spannende Aktion der Löwen beobachten können. Vielleicht war meine Intuition den "Heimweg" anzutreten, der ohne besondere Vorkommnisse verlief, aber auch besser.

Ich werde es nie erfahren. 

 

 

Weitere Bilder folgen!


Die Kobra



 "A distant memory is better

than no memory at all."

 

Unbekannt


Iringa

erstrahlt in der richtigen Jahreszeit in einer herrlich blauen Pracht. Es sind die Jacarandabäume, die der Stadt das unverwechselbare Aussehen verleihen.